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Bibliotherapie mit Kindern

Kinder lieben es, wenn Erwachsene ihnen eine Geschichte erzählen oder vorlesen. Sie interessieren sich für andere Menschen, und deshalb antworten Kinder auf die Frage, ob man ihnen eine Geschichte erzählen solle, in der Regel mit «Ja».

Der Weg eines Kindes zur Sprache, zur Erinnerung und zur eigenen Erzählkompetenz ist letztlich ein Weg der Erfahrung und Erzählung. Psychologisch ist es ein Weg der rasanten Erweiterung von Wahrnehmungsfähigkeit und Handlungsspielräumen, die beim späteren eigenen Lesen auch über Bücher geschehen kann; psychoanalytisch ist es ein Weg zu Affektintegration und Beziehungskonstanz. Deshalb dienen Bücher – selbstverständlich nicht nur Lesebücher, sondern auch Bilderbücher, Hörbücher oder Comics – in der bibliotherapeutischen Arbeit mit Kindern weniger der Wissensvermittlung; Bücher sind vielmehr ein Vehikel zur persönlichen Entwicklung.

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© Nicolas Mahler | Der Mann ohne Eigenschaften

Da Heidi nun lesen konnte, durfte es der Grossmama auch immer wieder seine Geschichten vorlesen; das machte ihm die grösste Freude, denn je häufiger es seine Geschichten las, desto lieber wurden sie ihm, denn Heidi lebte immer alles mit, was die Figuren im Buch erlebten, und so hatte es zu ihnen allen ein sehr nahes Verhältnis und freute sich immer wieder, bei ihnen zu sein.
Johanna Spyri, Heidi (1879)